Die Entwicklung des Haubergs
Als vor etwa 2.500 Jahren Eisen als Rohstoff entdeckt wurde, begann mit der Eisenzeit in Europa ein neues Zeitalter. Werkzeuge und Gerätschaften aus Eisen erwiesen sich als wirkungsvoller als solche aus Bronze, zudem war Eisen technisch leichter herzustellen. Auf ihrer Wanderung nach Norden kamen Kelten in das klimatisch eher raue Siegerland, wo Eisenerzadern bis an die Oberfläche treten. Den Kelten war die Technologie der Eisenherstellung bekannt.
In Meilern machten sie Holz zu Holzkohle, um damit in kleinen Hangöfen die hohen Temperaturen zu erreichen (über 1.000 Grad), ohne die kein Eisen zu gewinnen war. Die damals vorherrschenden Buchenwälder der Region haben das nicht überlebt. Denn wegen des hohen Holzbedarfs wurden die Buchen in immer kürzer werdenden Abständen genutzt, bevor sie Nachwuchs aus Samen erzeugen konnten. Ist die Buche einmal gefällt, schlägt sie nur schlecht aus dem alten Wurzelstock aus. Besser können das Eiche und Birke. Die Eisenleute sorgten dafür, dass auch die nicht besonders groß wurden, denn zum Verkohlen reichte Armdicke. So wurde aus dem Buchen-Hochwald ein Eichen-Birken-Niederwald.
Doch nach 600 Jahren war auch dieser Wald weg, das Siegerland war kahl. Kein Wald bedeutete auch keine Holzkohle. Wo keine Energie ist, kann man nicht schmelzen, und die Kelten zogen weiter.
Der Wald brauchte 800 Jahre, um sich von diesem Schlag zu erholen. Als er wieder ein Buchenwald war, waren es diesmal die Franken, die das Eisenerz abbauten und die Bäume fällten. Wieder wurde aus dem Hoch- ein Niederwald, wieder setzten sich Eiche und Birke durch, wieder wurden die Kahlflächen immer größer. Kurz bevor die Menschen den Wald und mit ihm ihre Lebensgrundlage erneut vernichtet hatten, besannen sie sich eines Besseren. Sie entwickelten eine Ordnung, deren wichtigster Grundsatz Nachhaltigkeit heißt. Er besagt, dass man nur so viel aus der Natur entnehmen darf, wie in der gleichen Zeit nachwächst. Wer diesen Grundsatz nicht beachtet, gefährdet künftige Generationen.
Als Form der nachhaltigen Bewirtschaftung entwickelte sich der Siegerländer Hauberg. Er war ein Niederwald (überwiegend Eiche/Birke) im Besitz von Genossenschaften, jede eingeteilt in meist 20 Parzellen. Pro Jahr durfte nur eine Parzelle zur Verkohlung genutzt werden. Da das Wichtigste, die Holzkohle, nun begrenzt war, wurde man erfinderisch in Nebennutzungen. So wurden Teile des Haubergs im Laufe des zwanzigjährigen Zyklus zum Spender von Eichenlohe zur Lederherstellung, zum Acker für Buchweizen und Roggen zur Mehlgewinnung oder zur Weidefläche für Kühe. Dieser Hauberg behauptete sich bis ins 19. Jahrhundert. Dann kam mit der Steinkohle und der Eisenbahn eine andere Energie in Siegerland und bald darauf kam der Erzbergbau wegen zu hoher Kosten zum Erliegen. Viele Wälder wuchsen wieder zu Hochwäldern, aber vielerorts sieht man immer noch Niederwald, der einst ein Kohlwald war.
Alte Meilerplätze aus vorchristlicher Zeit sind in den Haubergsgegenden häufig nachgewiesen. Die Rennöfen benötigten große Mengen an Holzkohle für die Eisenverhüttung. Im 15. Jahrhundert waren die Wälder dadurch derart ausgebeutet, dass es schließlich im 16. Jahrhundert zu einer hoheitlichen Regelung der Waldnutzung kam. Die Grafen zu Nassau (1562) und zu Sayn (1565) erließen eine Waldordnung, in der neben der Ordnung der allgemeinen Nutzung auch für Nachhaltigkeit gesorgt wurde. Seitdem wurde die Niederwaldwirtschaft hoheitlich durch Haubergsordnungen geregelt. Die heutigen Haubergsordnungen basieren noch auf den letzten preußischen Verordnungen. So die Haubergsordnung für den Kreis Altenkirchen, verordnet am 9. April 1890 durch „…Wilhelm, von Gottes Gnaden König von Preußen etc. …“.
Der Schwendbau mit Roggen und Buchweizen hat die Holznutzung von den Anfängen an begleitet. Die Niederwaldwirtschaft ist in kleinen Flächen nicht zu betreiben. Die genossenschaftliche Nutzung war daher eine notwendige Konsequenz dieser Wirtschaftsform.
Mitte des 19. Jahrhunderts wurden aus einem Hektar Hauberg durch Lohe, Holzwerbung, Schanzen, Roggen, Roggenstroh und Hutung über eine Umtriebszeit von 18 Jahren etwa 830 Mark erwirtschaftet. Dafür fielen Arbeit und Kosten im Wert von 340 Mark an. Der Gewinn pro Jahr und Hektar betrug somit gut 27 Mark. Bei einem Wert von 3 Mark pro Tagewerk entsprach dieser Gewinn dem Wert von 9 Tagewerken. Das war fast der halbe Monatslohn eines Lehrers, aber mit nur 6 Tagwerken Arbeitseinsatz erreicht. Der Hauberg trug daher erheblich zum bäuerlichen Einkommen bei.
Die Gerblohe brachte die Hälfte des Gewinnes, das Holz ein weiteres Viertel. Brotgetreide musste wegen der kargen Böden in vielen Lagen des Siegerlandes und Westerwaldes eingeführt werden. Deshalb war der Beitrag des Haubergs zur Roggenproduktion bedeutend.
Ende des 19. Jahrhunderts wurde die Eisenbahn Siegen – Köln gebaut. Da für die Erzeugung von Stahl 4 Tonnen Kohle und nur eine Tonne Eisenerz notwendig sind, wurde seit dem vermehrt Eisenerz preiswert vom Siegerland ins Ruhrgebiet gebracht. Der Bedarf an Holzkohle im Siegerland ging daher zurück. Wenig später wurde auch die heimische Gerblohe durch Importe und anschließend durch chemische Produkte ersetzt.
Die wirtschaftliche Lage während der Kriegszeiten gab dem Hauberg in der ersten Hälfte des 20. Jahrhunderts nochmals wirtschaftliche Bedeutung.
Danach wurde jedoch die bereits Ende des 19. Jahrhunderts begonnene Überführung in Hochwald intensiviert.
Bei den verbliebenen Niederwaldflächen ist die Holzwerbung die einzig verbliebene Nutzungsform. Mit steigenden Brennstoffkosten gewinnt der Niederwald wieder an Bedeutung. Dennoch decken die Einnahmen aus Holzverkauf und Jagdpacht kaum die Kosten der Holzwerbung, des Wegebaues und der Beförsterung.
Quelle: Wikipedia